reepwerk

Jedes Jahr werden allein an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns mehr als 27.000 Tonnen Seegras angespült. reepwerk zeigt, wie man dieses Material in nutzbare Seile verwandeln kann.
Bisher war Seegras meist nur als Ärgernis für Touristen am Strand bekannt. Darüber bedeutet die Entsorgung für die vom Tourismus abhängigen Ostseegemeinden einen hohen finanziellen Aufwand. Unser Projekt zeigt, wie Seegras an Wert zurückerlangen erlangen und als regionale Ressource genutzt werden kann. Die von uns innerhalb eines Semesters entwickelte Maschine reepwerk soll Touristen als auch Anwohner dazu einladen, sich mit dem Material näher auseinander zu setzen und dazu anspornen neuen möglichen für Anwendungen für das Seegras zu finden.
Als modellhaften Standort des reepwerks haben wir das Seeheilbad Boltenhagen in der Region Nordwestmecklenburg gewählt. Es ist das drittälteste Seebad in Deutschland und zählt jährlich mehr als 1,5mio Übernachtungen. Neben der Steilküste und der Seebrücke lockt ein 5km langer Strand.

Ausgehend von unseren anfänglichen Materialexperimenten und inspiriert von maritimen Motiven, haben wir uns entschieden, die Seegrasfasern zu verwenden, um ein Seil daraus herzustellen. Hierfür haben wir das von uns an der Ostsee gesammelte Seegras, gewaschen, getrocknet und anschließend für die Weiterverarbeitung vorbereitet.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Weiterverarbeitung sind wir auf das alte Handwerk des Holzwollespinnens gestoßen. Hierbei wird aus langen, schmalen Holzspänen ein sehr raues und reißfestes Seil gesponnen.  Wir fanden heraus, das Seegras sehr ähnliche Eigenschaften wie die Holzfasern besitzt. So besuchten wir Monika Rödiger, eine der wenigen Handwerkerinnen in Deutschland, die diese Fasern noch zu einem Seil verarbeiten können. Trotz der sehr schweren Händelbarkeit konnte sie uns aus dem mitgebrachten Seegras ein 22m langes Seil herstellen. Wir waren beeindruckt von der Geschwindigkeit und der Geschicklichkeit, die für den Umgang mit der Maschine und dem Material erforderlich sind.

Als Beispiel für die Anwendung eines Seegrases haben wir eine Sitzgelegenheit entworfen und gebaut. Durch die reduzierte Edelstahlkonstruktion kann der Fokus auf die Materialqualitäten des Seegrases gelegt werden. Insgesamt wurden für den Hocker 22 Meter Seils verwendet.

_team
Ulrike Silz, Marc Wejda.
_projekt
6. Semsester Industriedesign (Burg Giebichenstein Halle, SS 2017)
_leitung
_link